Zement

von Heiner Müller

Premiere 5. Mai
Residenztheater München

Regie: Dimiter Gotscheff

Nach drei Jahren Revolution und Bürgerkrieg kehrt Regimentskommandeur Gleb Tschumalow gleich dem ODYSSEUS in seine Heimat zurück wie in eine fremde Welt. Die Zementfabrik scheint dem Verfall preisgegeben und die revolutionären Träume und Visionen zerrinnen im Kampf um das alltägliche Überleben. Tschumalows Frau Dascha organisiert die Frauen und die Versorgung des örtlichen Kinderheims. Besitz und Familie zählen für sie nicht mehr, und ihrer revolutionären Aufgabe opfert sie wie MEDEA das gemeinsame Kind. Der bürgerliche Ingenieur Kleist provoziert in Tschumalow den Zorn des ACHILLEUS. Einst hatte er Gleb an die Feinde verraten, doch nun wird er für die Inbetriebnahme der Zementfabrik gebraucht. Die jungen Revolutionäre Polja und Iwagin widmen sich voller Euphorie der Revolution. Doch der Parteiapparat sortiert sie aus. Die Revolution verrät ihre Kinder. Tschumalows verzweifeltes Ringen gleicht dem KAMPF DES HERAKLES MIT DER HYDRA: ein alptraumhaftes, verirrtes Gefecht des verletzlichen Körpers mit den neuen Ideen.

Heiner Müller, dem die "Arbeit am antiken Mythos immer Arbeit an der Geschichte war", hat 1972 nach Gladkows Revolutionsroman aus dem Jahr 1925 eine große menschliche Tragödie geschrieben. Die archaische Sprache der Figuren, die Intensität der Bilder und Visionen provoziert gleichermaßen Fremdheit und Nähe. Dimiter Gotscheff inszeniert Müllers selten aufgeführtes Drama über den kurzen Augenblick der Menschheit, wo ein uralter Traum gelebt und zunichte gemacht worden ist, als ein groteskes, poetisches Ritual aus der Sicht des Kindes der Tschumalows, denn: "Was man braucht ist Zukunft und nicht die Ewigkeit des Augenblicks. Man muss die Toten ausgraben, wieder und wieder, denn nur aus ihnen kann man Zukunft beziehen". (Heiner Müller)


Regie DIMITER GOTSCHEFF
Bühne und Kostüme EZIO TOFFOLUTTI
Musik SANDY LOPIĆIĆ
Licht GERRIT JURDA
Dramaturgie ANDREA KOSCHWITZ

mit
VALERY TSCHEPLANOWA Njurka
SEBASTIAN BLOMBERG Gleb Tschumalow
BIBIANA BEGLAU Dascha Tschumalowa
AUREL MANTHEI Badjin, Chor
LUKAS TURTUR Sergej Iwagin, Chor
GENIJA RYKOVA Polja Mechowa, Chor
PAUL WOLFF-PLOTTEGG Kleist
GÖTZ ARGUS Tschibis
ROBERT NIEMANN Makar, Dimitri Iwagin (Einarm), Chor
JOHANNA KÜSTERS Chor (Studenten OFS)
INES HOLLINGER Chor (Studenten Akademie)

Weitere Vorstellungen:
http://www.residenztheater.de/inszenierung/zement

© Margit Broich[1][4] Heidi Paris/Merve Verlag[2][3]

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