Intellektuelle Beißhemmung? Über das Verhältnis von Polemik und Wissen in der Gegenwartskultur

Öffentliche Abendveranstaltung am Deutschen Theater Berlin
5.12.2014

Für Gelehrte der Frühen Neuzeit war neues Wissen ohne Streit nicht zu haben. Die Kunst bestand nicht darin, Polemiken zu vermeiden, sondern sie wahrheitsdienlich zu führen. Im 19. Jahrhundert behielten die Streitlust und Streitkunst ihren Platz im Wissenschaftsbetrieb, und noch für Gelehrte wie Ulrich von Wilamowitz-Moellendorff und Friedrich Nietzsche war die Polemik ein essentieller Bestandteil des wissenschaftlichen Umgangs. Blickt man dagegen auf die Diskussionskultur der Gegenwart, so kann von einer polemikaffinen akademischen Streitkultur nicht mehr die Rede sein. Beobachter des geisteswissenschaftlichen Diskurses sprechen sogar von einer "Beißhemmung".

Die vom DFG-Netzwerk "Gelehrte Polemik", dem "Merkur: Deutsche Zeitschrift für europäisches Denken" und dem "Deutschen Theater Berlin" gemeinsam getragene Diskussionsveranstaltung soll danach fragen, weshalb die Schärfe in geisteswissenschaftlichen Auseinandersetzungen der Gegenwart abgenommen hat und was die Folgen dieser Abnahme für die Produktion geisteswissenschaftlichen Wissens sind. Darüber hinaus soll diskutiert werden, in welchem Zusammenhang das Verschwinden der Polemik aus den Geisteswissenschaften mit der politischen und medialen Debattenkultur in westlichen Demokratien stehen.

Karten unter: http://www.deutschestheater.de/spielplan/spielplan/intellektuelle_beisshemmung/

Veranstaltungsablauf:

17.00 Uhr
Empfang und Begrüßung durch Kai Bremer (Gießen) und Carlos Spoerhase (Berlin)

17.15 Uhr
Caspar Hirschi (St. Gallen): Kritikfrei spielen: Zur Selbstverniedlichung der Geisteswissenschaften
Respondenz von Thorsten Wilhelmy (Berlin)

18.30 Uhr
Eva Geulen (Frankfurt am Main): Unbestritten oder unbestreitbar? Vier Beobachtungen zum Wandel geisteswissenschaftlicher Streitkultur
Respondenz von Carlos Spoerhase (Berlin)

20.00 Uhr
Diskussion mit Christian Demand (Berlin), Jürgen Kaube (Frankfurt am Main), Christoph Müllers (Berlin) und Nina Verheyen (Köln)

© Margit Broich[1][2] Heidi Paris/Merve Verlag[3][4]

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