Sehen: Theatre Without Audience

Ein Filmtheater von Pawel Kocambasi. Filmpremiere

Dienstag 10. März 2015, 20 Uhr
Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz

Als Teenager auf den Todeslisten von Hitler und Stalin wurde Andrzej Thadeusz Wirth, 1966 noch keine 40 Jahre alt, durch die politischen Ereignisse im sowjetischen Polen in die Vereinigten Staaten katapultiert. Vom Standpunkt seines Theaterinteresses aus gesehen, brachten ihn die glücklichen Umstände immer zur richtigen Zeit an den richtigen Ort: Mit Kantor und Grotowski in Polen, Bertolt Brecht und der Gruppe 47 in Berlin und Robert Wilson in New York. ATW unterrichtete Drama und Vergleichende Literaturwissenschaft in Harvard, Yale School of Drama, Oxford, Stanford und dem CUNY. In seinen New Yorker Vorlesungen in den Siebzigern führte er Gertrude Stein, Brecht und Witkiewicz als Vordenker des postdramatischen Theaters.
1982 kehrte er, noch immer Persona Non Grata und auf der Schwarzen Liste seines Heimatlandes, nach Europa zurück und gründete das legendäre Institut für Angewandte Theaterwissenschaften an der Universität Gießen, das die Darstellenden Künste reformiert hat. Seitdem hat er keine Hemmungen mehr, sich selbst ATW zu nennen, ein Anagramm von Andrzej Thadeusz Wirth und dem von ihm gegründeten Institut. Zu seinen Schülern gehörte u.a. René Pollesch, der in seiner Laudatio anlässlich der Verleihung des Theaterpreises 2008 des ITI an ATW schreibt:
„...Weder vor ATW, noch lange nach ihm hab ich jemanden getroffen, der Fragen stellt wie er, ans Theater, oder nach dem Ende eines Theaterabends oder während man einen Abend produziert. Wir Studenten wussten in unserem ersten Jahr überhaupt nicht, wovon ATW da vorne überhaupt redet. Aber ihn lange nicht zu verstehen war im Ganzen besser, als ihn sofort misszuverstehen. Also zu glauben, man kennt das Problem, und eigentlich doch immer nur keines hat mit dem, wie es ist ...“

Pawel Kocambasi zeigt mit Filmmaterial aus Polen, Berlin, Florida, New York Fragmente aus dem Leben und Denken der großen internationalen Theaterpersönlichkeit Andrzej T. Wirth.

Im Anschluss an das Filmtheater findet eine Diskussion in Anwesenheit von Andrzej T. Wirth statt.

Tickets kosten 8,- Euro bzw. 6,- Euro (ermäßigt).

© Margit Broich[1][2][4] Heidi Paris/Merve Verlag[3]

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