Müllersalon#10: Eldorado – „Für alle reicht es nicht“?

Screening des Dokumentarfilms „Eldorado“ von Markus Imhoof
Im Anschluss:
Heike Makatsch im Gespräch mit dem Regisseur

4. Oktober 2018
Deutsches Theater Berlin
Saal, 20 Uhr

Als Markus Imhoof, geboren 1941 in der Schweiz, ein kleiner Junge war, nahm seine Familie das italienische Flüchtlingskind Giovanna auf. Diese zutiefst persönliche Erfahrung mit dem Schicksal der Geflüchteten im Zweiten Weltkrieg veranlasste den Regisseur bereits 1980 zu seinem vielfach preisgekrönten Spielfilm „Das Boot ist voll“. Im neuen Dokumentarfilm „Eldorado“ ist Imhoofs Biografie der Hintergrund, vor dem er die aktuelle europäische Flüchtlingspolitik und deren Konsequenzen betrachtet: Im Rahmen der Operation „Mare Nostrum“, in deren Verlauf mehr als 100.000 Menschen aus dem Mittelmeer gerettet werden, begleitet er die Flüchtlinge an Bord eines italienischen Marine-Schiffes, dokumentiert ihre Ankunft in Europa und verfolgt ihre Spuren beim oft vergeblichen Versuch, in Legalität leben zu dürfen.
Dabei konfrontiert der tiefgründige und vielschichtige Dokumentarfilm das aktuell vorherrschende Kurzzeitgedächtnis in Europa mit seiner Geschichte und macht die globalen, ökonomischen Fluchtursachen greifbar. Der im medialen und politischen Diskurs weitverbreiteten Tendenz, Geflüchtete als bedrohliche, kaum aufhaltbare Naturgewalt des Wassers zu entpersonalisieren – als „Asylantenstrom“, „-flut“, „-welle“ oder „-schwemme“ – setzt Imhoof die eigene Biografie entgegen, die den Blick auf den einzelnen Menschen einfordert.
Dass der Dokumentarfilm „Eldorado“ nun im Rahmen des „Müllersalons“ gezeigt wird erstaunt vielleicht auf den ersten Blick. Doch hinter dem literarischen Werk Heiner Müllers steht ein Autor, der aus der Erfahrung des Nationalsozialismus und der Shoa heraus – der Allianz von Faschismus und Kapitalismus – nicht müde geworden ist, das Prinzip der Ausbeutung und Selektion im globalen, kapitalistischen Gefüge zu kritisieren.
„‘Das Boot ist voll’ oder wird es so oder so bald sein“, prognostizierte Heiner Müller im Jahr 1992, „und auf der Tagesordnung steht der Krieg um Schwimmwesten und Platz in den Rettungsbooten, von denen niemand weiß, wo sie noch landen können, außer an kannibalischen Küsten. Mit der Frage, wie man diese Lage seinem Kind erklärt, ist jeder allein. Und vielleicht ist diese Einsamkeit eine Hoffnung.“


„Eldorado“, Dokumentarfilm Deutschland/Schweiz 2018, 92 Min.

„Eldorado“ hatte seine Weltpremiere auf der Berlinale 2018 und ist „Switzerland’s official submission (for) Foreign Language Film competition (for the) 91st Academy Awards®“

Weitere Informationen:
https://markus-imhoof.ch/2018/01/18/eldorado/


Karten unter:
030. 28 441 – 225 oder
https://www.deutschestheater.de/programm/a-z/muellersalon_10/


Markus Imhoof ist ein Schweizer Regisseur und Drehbuchautor, der seit 2003 in Berlin lebt. Seit den späten 1970er Jahren zeichnet er für einige der wichtigsten Schweizer Filmproduktionen verantwortlich, darunter sein Spielfilm „Das Boot ist voll“ (1980), ein Film über das tragische Schicksal von Flüchtlingen in der Schweiz während des Zweiten Weltkriegs, der u.a. den Silbernen Bären auf der Berlinale gewann und für den Oscar als „Bester Fremdsprachiger Film“ nominiert wurde. In seinem ersten abendfüllenden Dokumentarfilm “More than Honey“ (2012) beschäftigt sich Markus Imhoof mit dem Phänomen des weltweiten Bienensterbens, und nähert sich darüber den Problemen einer rationalisierten globalen Ökonomie an. Mit 29 Preisen im In- und Ausland und Kinostarts in 30 Ländern ist er der bisher erfolgreichste Schweizer Dokumentarfilm. Markus Imhoof ist Mitglied der Akademie der Künste Berlin.

Heike Makatsch gelang 1996 mit Detlev Bucks Kultfilm „Männerpension“ der filmische Durchbruch und wurde dafür prompt mit dem Bayerischen Filmpreis ausgezeichnet. Seitdem hat sich Heike Makatsch erfolgreich als Film- und Fernsehschauspielerin etabliert, mit Regisseuren wie Lars Kraume, Leander Hausmann, Philip Stölzl und vielen anderen gedreht. Sie wurde für ihre schauspielerischen Leistungen mehrfach ausgezeichnet. Ihr Theaterdebut gab sie am Centraltheater in Leipzig, wo sie eindrucksvoll die Rolle der Jane in „Paris, Texas“ spielte, inszeniert von Sebastian Hartmann nach dem gleichnamigen Film von Wim Wenders. Unter seiner Regie wirkte sie darüber hinaus in den Stücken „Krieg und Frieden“ sowie in „Mein Faust“ mit.
Seit 2006 ist Heike Makatsch Botschafterin der Entwicklungshilfsorganisation Oxfam; darüber hinaus unterstützt sie die Kampagne „Steuer gegen Armut“ und die Aktion „Spende Menschlichkeit“ von SOS Méditerranée.

Am 11. Oktober erscheint „Eldorado“ als DVD. Weitere Infos unter: http://www.majestic.de/eldorado/

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