Müllermontag XXXVII: Die drei Beichten – Heiner Müller und Anna Seghers

Präsentation und Gespräch
Mit Janine Ludwig und Leonore Krenzlin

Anna Seghers’ wichtiger Einfluss auf Heiner Müller ist sichtbar in poetischen Anspielungen in seinen Texten und erst recht in der großen Anzahl von Stücken, die er in Anlehnung an ihre Werke geschrieben hat (Die Umsiedlerin, Traktor, Der Auftrag, Wolokolamsker Chaussee III: Das Duell). Dieser Einfluss tritt auch deutlich im Gedicht „Motiv bei A.S.“ (um 1960) zu Tage, welches der Ausgangspunkt für sein Stück Der Auftrag war, nach Seghers’ Novelle Das Licht auf dem Galgen (1960) und in dem späten Gedicht „Brief an A.S.“ (veröffentlicht 1992). Unpublizierte Materialien aus dem Heiner-Müller-Archiv an der AdK in Berlin offenbaren etliche Versionen hiervon. Im Gespräch werden diese Archivfundstücke im Zusammenhang mit Müllers unveröffentlichten „drei Beichten“, d.h. ungeschriebenen Briefen, untersucht, die sich neben Seghers auf seinen Großvater und seinen Vater beziehen und neues Licht auf frühere Texte über diese werfen. Diese Verbindungen, die eine Art Lebensbilanz darstellen, werden diskutiert im Kontext der seit den 1970er Jahren zunehmenden Enttäuschung Müllers vom real existierenden Sozialismus und besonders der Wendeerfahrung 1989. So erschließt sich sein Wunsch(-traum), in einen erneuten Dialog mit den Verstorbenen zu treten (Seghers starb 1983) und seine fortgesetzte Obsession mit dem Vater, dem Großvater und der „Dichtermutter“ Anna Seghers.

Literaturforum im Brecht-Haus
28. November 2016, 20 Uhr

Eine Veranstaltung der Internationalen Heiner Müller Gesellschaft, unterstützt vom Literaturforum im Brecht-Haus und in Kooperation mit der Anna-Seghers-Gesellschaft

© Angelus Novus[1] Margit Broich[2][3][4]

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