Der Auftrag. Erinnerung an eine Revolution

Schauspiel von Heiner Müller
am Theater Heilbronn, Regie: Axel Vornam

Das Stück spielt um 1794 und beginnt mit seinem Ende: Galloudec schreibt auf seinem Totenbett in einem Brief, dass er und seine beiden Kompagnons Sasportas und Debuisson ihren Auftrag zurückgeben müssen, weil sie ihn nicht erfüllen können. Eigentlich hatten Galloudec, der arme Bauer aus der Bretagne, Sasportas, der farbige Sklave, und Debuisson, Sohn von reichen Plantagenbesitzern auf Jamaika, vom Konvent der Französischen Republik den Auftrag bekommen, die in Frankreich siegreiche Revolution nach Jamaika zu tragen und einen Sklavenaufstand gegen die britische Krone anzuzetteln. Kaum auf der heimatlichen Plantage angekommen, begegnet Debuisson seiner ersten Liebe, die er für die Revolution in Frankreich verließ. Unterdessen brechen auch die Unterschiede zwischen den dreien auf – der Sklave und der arme Bauer haben nicht die gleichen Interessen wie der reiche Weiße. Als sie Nachricht erhalten, dass die Republik in Frankreich gestürzt ist und Napoleon sich zum Kaiser gekrönt hat, will Debuisson sofort vom Auftrag zurücktreten. Sasportas und Galloudec wollen mit ihrer Mission weitermachen, solange es Sklaven und Herren gibt.
Eingeschoben ist ein Zeitsprung in unsere Tage. Ein namenloser Angestellter steht im Fahrstuhl und ist auf dem Weg zum Chef, der mit einem Auftrag auf ihn wartet. Plötzlich scheinen Raum und Zeit aus den Fugen zu geraten und als die Fahrstuhltür sich öffnet, findet sich der Mann nicht mehr in seinem Bürohochhaus, sondern auf einer heruntergekommenen Straße in einem Armutsviertel in Peru wieder.

Heiner Müller stellt in seinem Stück die grundsätzliche Frage nach dem Fortschritt in der Entwicklung der Menschheit. Im »Auftrag« zeigt er die Welt in einem Zustand unauflösbarer Widersprüche, Entwicklung als Entwicklungslosigkeit. 1979 schrieb er dieses Stück nach der Erzählung von Anna Seghers »Das Licht auf dem Galgen«. Bereits 1980 wurde das Stück unter seiner Regie in der DDR aufgeführt, 1981 folgten Aufführungen in der BRD, unter anderem in Stuttgart. Auch 20 Jahre nach dem Tod des Autors lebt die Menschheit fort in ihrer Teilung zwischen Arm und Reich, zwischen erster und dritter Welt. Aber Müller sagte: »Mein Interesse an der Wiederkehr des Gleichen ist ein Interesse an der Sprengung des Kontinuums.«

Regie: Axel Vornam
Ausstattung: Tom Musch
Kostüme: Cornelia Kraske
Schauspieler: Sylvia Bretschneider, Nils Brück, Bettina Burchard, Anjo Czernich, Stefan Eichberg, Oliver Firit, Frank Lienert-Mondanelli, Sabine Unger, Katharina Voß, Tobias D. Weber
Dramaturgie: Kristin Päckert

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© Heidi Paris/Merve Verlag[1][2][3] Margit Broich[4]

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