WORKING FOR PARADISE

NAPOLI TEATRO FESTIVAL ITALIA
INTERNATIONALE HEINER MÜLLER GESELLSCHAFT

WORKING FOR PARADISE
BERLIN - NAPOLI 2009
HEINER MÜLLER . LABORATORI

In Zusammenarbeit mit


Working for paradise. Berlin – Napoli 2009. Heiner Müller. Laboratori, eine Koproduktion zwischen Napoli Teatro Festival Italia und der Internationalen Heiner Müller Gesellschaft, waren Werkstätten auf der Grundlage von Heiner Müllers Stück „Der Lohndrücker“ für italienische und deutsche Regisseure und Schauspieler, die im März 2009 in Berlin und im Juni in Napoli stattfanden.

In Berlin fragte die Werkstatt nach der „Vorgeschichte“ von „Lohndrücker“, sichtete und analysierte historisches Material, untersuchte Heiner Müllers Sprache und Dramaturgie, befragte verschiedene Inzenierungsansätze, setzte sich mit der Inszenierung von Heiner Müller 1988 am Deutschen Theater auseinander und überprüfte „Lohndrücker“ heute, in einer gänzlich veränderten historischen Situation.

In Napoli verfolgte die Werkstatt einen anderen, sich jedoch konsequent aus der Fragestellung nach der Arbeit heute ergebenden Ansatz: Hier wurden drei neue, Heiner Müllers Vorgabe aufnehmende Texte zum Thema Arbeit überprüft, die von den italienischen Autoren Vincenzo Latronico, Rosella Postorino und Chiara Valerio im Auftrag von Napoli Teatro Festival Italia geschrieben wurden.

Im Juni 2009 arbeiteten die Schauspieler und Regisseure zwei Wochen lang in der Fondazione Mondragone mit Matthias Langhoff im Labor Paradise of Working an einer mise en espace zu ihrem "Paradies der Arbeit", die vor ausverkauftem Haus im Napoli Teatro Festival Italia gezeigt wurde:


Matthias Langhoff
Paradise of Working – Ein Programm

In den Zeiten der schwindenden Arbeit ist das Paradies ein Ort, an dem ungehindert Arbeit im Überfluss zu bekommen ist. Arbeit, die keinen anderen Nutzen hat außer dem, dass man sie machen darf; und für die, wie in einem Paradies üblich, man weder bezahlen muss noch für die man bezahlt wird. Arbeit im Freiraum; Arbeit in Freiheit. Ein Paradies, an dessen Tor nicht die Maxime „Arbeit macht frei“ prangt.

Sechzehn junge Schauspieler/Regisseure/Autoren aus Italien und Deutschland, die zusammen mit mir im Frühjahr in Berlin an einer Werkstatt über Heiner Müllers Theaterstück „Der Lohndrücker“ teilgenommen haben, treffen sich für zwei Wochen wieder in Neapel, um die gemachten und die noch zu machenden Erfahrungen in theatralische Formen zu bringen.

Notizen zu einem Theaterstück, sein Text, einige Aufführungen dieses Stückes, seine Geschichte, die Zeit in der es geschrieben wurde – Ost Berlin 1957-, eine Fabrik, „ Siemens-Plania“, das Leben eines Helden der „sozialistischen Arbeit“: Hans Garbe, sowie das Leben des Autors, Heiner Müller, historische Filme über die Welt der Arbeit wie Filme über die Arbeit mit dem Text waren das Arbeitsmaterial der Berliner Werkstatt. Eine Spurensuche.

Zwei Wochen blieben in Neapel, um die Erfahrungen zu verarbeiten. Das Material zu verformen, zu zerkleinern und zu bereichern mit neuen Erfahrungen. Die Arbeit selbst ist nicht der Weg, sondern das Ziel. Eine Bewegung ohne vorgeschriebene Richtung. Die Annahme von Arbeit wie ihre Verweigerung: eine Einheit. Das Material: historische Texte aus antipodischen Welten, die Liebeshochzeit zwischen Müller und Beckett, gepaart mit neapolitanischem Alltag und Berliner Küche. Auf dem Prüfstand die Agierenden selbst. Theater machen, um aufzulesen und nicht, um abzulesen.

Am Ende die Vertreibung aus dem Paradies. Die Unschuld war vorgetäuscht.
Vorstellung des wieder zusammen gekitteten Materials vor einem pflichtgemäß misstrauischen Publikum. Die Frühgeburt eines Theaters der verschachtelten Erfahrungen. Die Hoffnung: das noch hilflos verletzliche Kind wird begrüßt mit den Worten: „ Aus dem kann noch was werden; also füttern.“ Working for Paradise.


Peter Kammerer
Lebensfrage

Als Lebensfrage stellt sich heute der Abbau der kapitalistischen Produktionsmaschinerie. Überproduktion findet nicht mehr periodisch statt, sondern ist als „stabilisierte Krise“ die Existenzweise des Kapitals. Je mehr wir produzieren, desto mehr zerstören wir den Planeten. Ein wachsender Teil der Produktion dient nur noch dazu, die durch sie entstandenen Schäden zu reparieren.

Ausgangspunkt der mehrteiligen Werkstatt war die Frage „Wofür arbeitet ihr eigentlich?“, die Heiner Müller in „Die Korrektur“ formuliert. Ihr wurde in zwei Konferenzen in Berlin und Napoli nachgegangen.


In einer Ausstellung visualisierten Peter Badel und Holger Herschel den Umbau des ehemaligen Siemens-Plania-Industriegeländes in Berlin-Lichtenberg, wo die Aktion Hans Garbes stattgefunden hatte, die Heiner Müller im „Lohndrücker“ verarbeitet, zum Dong-Xuan-Center, dem größten vietnamesischen Handelszentrum Deutschlands.

Detlev Schneider realisierte mit zwei Sprechern in einem HörStück auf dem Dach des Bühnenturms des Theaters an der Parkaue den „Lohndrücker“-Text.

Die Werkstatt begann im Januar 2009 in der Galerie im Ratskeller Lichtenberg mit der Ausstellung „Working for paradise“ mit Künstlern aus Italien, Deutschland, der Ukraine und China.


KALENDER

BERLIN-LICHTENBERG

16. Januar 2009, ratskeller, Galerie für zeitgenössische Kunst , Möllendorffstraße 6 (Rathaus)

Eröffnung der Ausstellung
WORKING FOR PARADISE
Heiner Müller zum 80. Geburtstag
Arbeiten von Ivan Bazak, Rossella Biscotti, Fritz Fabert, Liang Juhui, Grischa Meyer

Kuratiert von Klaudia Ruschkowski und Wolfgang Storch
Bis 20. Februar 2009

Podiumsgespräch zur Vorstellung der Werkstätten in der „Nacht der Politik“

15. März 2009, Fachhochschule für Technik und Wirtschaft, Treskowallee 24
„WOFÜR ARBEITET IHR EIGENTLICH?“
Ganztägige Konferenz zur Arbeit

Mit Wolfgang Engler, Thomas Flierl, Peter Grottian, Detlef Hensche, Karin Lenhart, Birgit Mahnkopf, Enrico Pugliese, Peter Ruben, Frank Werneke u.a.
Leitung: Peter Kammerer

Auf dem Dach des Bühnenturms des Theaters an der Parkaue
LOHNDRÜCKER
HörStück nach Heiner Müller „Der Lohndrücker“
Koproduktion von Detlev Schneider mit dem Theater an der Parkaue

Knut Hirche, Wolfgang Krause-Zwieback, Jürgen Kurz, Detlev Schneider, Penelope Wehrli
Bis 21. März

16. – 21. März 2009, Theater an der Parkaue
DER LOHNDRÜCKER. VOR/GESCHICHTE
Werkstatt mit deutschen und italienischen Regisseuren, Schauspielern, Autoren, Dramaturgen und Theaterwissenschaftlern

Leitung: Wolfgang Storch in Zusammenarbeit mit Matthias Langhoff

20. März 2009, Museum Lichtenberg im Stadthaus, Türrschmidtstraße 24/25
Eröffnung der
Ausstellung von Peter Badel, Holger Herschel und Karl Karau
VON SIEMENS-PLANIA ZU DONG XUAN

Fotografie, Originalton und Film
Bis 20. Mai 2009
Gefördert vom Hauptstadtkulturfonds und vom Bezirkskulturfonds Berlin-Lichtenberg


NAPOLI

6. Juni 2009
FESTLICHE ERÖFFNUNG DER WERKSTATT NAPOLI
Goethe-Institut Neapel

7. Juni 2009, Fondazione Mondragone
DER LOHNDRÜCKER. VOR/GESCHICHTE
Vorstellung der Arbeitsergebnisse der Dramaturgiewerkstatt Berlin

u.a. mit Grischa Meyer, Fritz Fabert, Natalie Driemeyer, Marta Maria Marangoni

8. bis 21. Juni 2009, Fondazione Mondragone
PARADISE OF WORKING
Werkstatt mit Beniamino Brogi, Corinne Castelli,Marco Di Stefano, Natalie Driemeyer, Tanja Fahrtmann, Daniele Fior, Gian Filippo Floriddia, Aurora Kellermann, Sandro Mabellini, José Enrique Macian, Nora Mansmann, Marta Maria Marangoni, Irene Mattioli, Giuseppe Provinzano, Anna Romano, Anna Schmidt, Tommaso Spinelli, Andrea Tralles
Leitung: Matthias Langhoff

NEUE TEXTE ZUR ARBEIT
Im Auftrag von Napoli Teatro Festival Italia, verfasst von
VINCENZO LATRONICO, ROSELLA POSTORINO, CHIARA VALERIO

LABORATORIO APERTO
Öffentliche Veranstaltungen zu Aspekten des Gesamtprojekts
u.a. mit Marcello Anselmo, Tommaso Cotronei, Graziella Galvani, Vincenzo Latronico, Sandro Mabellini, Rosella Postorino, Luca Rossomando, Chiara Valerio, Alexander Weigel
Leitung: Klaudia Ruschkowski und Wolfgang Storch

12. Juni 2009
TURNO DI NOTTE
Nachtschicht zur Arbeit

u.a. mit Anna Bonaiuto, Marcello Colasurdo, Auli Kokko, Ermanno Rea, Daniele Siepe, Andrea Tidona
Fotografien von Aniello Barone und Vera Maone
Filme u.a. von Harun Farocki, Nanni Loi, Pietro Marcello
Leitung: Peter Kammerer und Enrico Pugliese

21. Juni 2009
PARADISE OF WORKING
MISE EN ESPACE von Matthias Langhoff

mit Beniamino Brogi, Corinne Castelli, Marco Di Stefano, Natalie Driemeyer, Tanja Fahrtmann, Daniele Fior, Gian Filippo Floriddia, Aurora Kellermann, Sandro Mabellini, José Enrique Macian, Nora Mansmann, Marta Maria Marangoni, Irene Mattioli, Giuseppe Provinzano, Anna Romano, Anna Schmidt, Tommaso Spinelli, Andrea Tralles
und Nicolò Fior


WORKING FOR PARADISE
BERLIN - NAPOLI 2009
HEINER MÜLLER . LABORATORI

Napoli Teatro Festival Italia
Künstlerische Leitung: Renato Quaglia, Projektleitung: Carla di Giovanni
Oeffentlichkeitsarbeit: Alessandra Cusani, Presse: Raffaella Tramontano

Internationale Heiner Müller Gesellschaft
Projektleitung: Peter Kammerer, Klaudia Ruschkowski, Wolfgang Storch

Kunst- und Kulturamt Lichtenberg von Berlin
Ute Müller-Tischler, Assistenz: Katharina Luh

Kulturforum der Rosa Luxemburg Stiftung
Thomas Flierl, Assistenz: Michaela Klingberg

Vereinigte Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di
Sabine Schöneburg

Theater an der Parkaue
Sascha Bunge

Howoge Wohnungsbaugesellschaft mbH
Angela Reute

Goethe-Institut Neapel
Carmen Maria Morese

© Angelus Novus[1] Ute Schendel[2]

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