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<title>Internationale Heiner Müller Gesellschaft: Aktuelles</title>
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<description>Internationale Heiner Müller Gesellschaft: Aktuelles</description>
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<title>Internationale Heiner Müller Gesellschaft</title>
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<title>Aktuell: Alexander Kluge mit 94 Jahren gestorben</title>
<author>kontakt@ihmg.de (IHMG)</author>
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<description><![CDATA[<p>Mit großem Bedauern nimmt die IHMG den Tod des Filmemachers und Schriftstellers Alexander Kluge zur Kenntnis. Alexander Kluges Denken und Wirken war eng mit dem Werk und Schaffen Heiner Müllers verbunden. Ihre gemeinsamen Gespräche, die Kluge aufgezeichnet hat, sind ein fundamentaler Teil deutscher Kulturgeschichte als Zeugnis ihrer Selbstbefragung: &quot;Kulturgeschichte im Dialog&quot;.
https://www.zeit.de/feuilleton/2026-03/autor-alexander-kluge-mit-94-jahren-gestorben-gxe
https://www.sueddeutsche.de/medien/film-alexander-kluge-ist-gestorben-li.3459263
https://taz.de/Nachruf-auf-Alexander-Kluge/!6166243/
Hier möchten wir Ihnen den link zu diesen Gesprächen zur Verfügung stellen, die auf der Homepage der Cornell University gesammelt sind und bewahrt werden.
https://kluge.library.cornell.edu/de/conversations/mueller/</p>
<p><a href="https://www.internationale-heiner-mueller-gesellschaft.de/aktuelles/2026-03-26/alexander-kluge-mit-94-jahren-gestorben">&gt; Auf Homepage lesen</a></p>
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<pubDate>Thu, 26 Mar 2026 08:00:00 +01:00</pubDate>
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<title>Aktuell: B. K. Tragelehn: Roter Stern in den Wolken 3</title>
<author>kontakt@ihmg.de (IHMG)</author>
<link>https://www.internationale-heiner-mueller-gesellschaft.de/aktuelles/2026-03-20/b-k-tragelehn-roter-stern-in-den-wolken-3</link>
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<description><![CDATA[<p>Buchvorstellung
Mit B. K. Tragelehn, Friedrich Dieckmann und Thomas Irmer
Zum 90. Geburtstag
So 12.4. 15.00 Uhr
1955 kam B. K. Tragelehn an das bereits damals legendäre Berliner Ensemble – als Meisterschüler Bertolt Brechts. Eine Begegnung, die prägend wurde für ein Arbeitsleben als Regisseur, Dichter und Übersetzer. In den 70ern entstanden hier drei gemeinsame Inszenierungen mit Einar Schleef, die in die Theatergeschichte eingehen sollten. Seine Inszenierungen trafen in Ost wie West auf Widerstand. Erst in den 90er Jahren kehrte er mit seiner letzten großen Regiearbeit &quot;Leben des Galilei&quot; noch einmal ans Berliner Ensemble zurück.
Das Lesebuch &quot;Roter Stern in den Wolken 3&quot; erscheint anlässlich seines 90. Geburtstags und versammelt Gespräche, Gedichte und Reden aus den letzten Schaffensjahren. Sie geben Zeugnis von seiner fortwährenden Auseinandersetzung mit dem Brecht&#039;schen Erbe und dem unorthodoxen Brecht-Schüler Heiner Müller. Die Beiträge zeigen Tragelehn als scharfsinnigen Analytiker des Theaters der Gegenwart wie der Geschichte und reflektieren die Rolle der darstellenden Kunst in ihren gesellschaftlichen Zusammenhängen
Tickets unter: .https://www.berliner-ensemble.de/inszenierung/b-k-tragelehn-roter-stern-den-wolken-3</p>
<p><a href="https://www.internationale-heiner-mueller-gesellschaft.de/aktuelles/2026-03-20/b-k-tragelehn-roter-stern-in-den-wolken-3">&gt; Auf Homepage lesen</a></p>
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<pubDate>Fri, 20 Mar 2026 08:00:00 +01:00</pubDate>
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<title>Aktuell: Zum Tod von Robert Wilson</title>
<author>kontakt@ihmg.de (IHMG)</author>
<link>https://www.internationale-heiner-mueller-gesellschaft.de/aktuelles/2025-08-01/zum-tod-von-robert-wilson</link>
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<description><![CDATA[<p>

Robert Wilson, geboren am 4. Oktober 1941 in Waco, Texas, ist am 31. Juli 2025 in Water Mill, New York, gestorben.

https://robertwilson.com/2022/6/5/mbrgjp59gvfa5vux34e62yvzgmhr4z

Die Zusammenarbeit von Heiner Müller und Robert Wilson gilt als ein Höhepunkt des modernen Theaters und ein Beispiel für die produktive Verbindung von Literatur und visueller Kunst. Ihre gemeinsamen Arbeiten haben das Theater nachhaltig beeinflusst und sind Meilensteine in der Theatergeschichte.
Sie verband eine tiefe gegenseitige Wertschätzung, die sich in verschiedenen Projekten manifestierte. Müller schätzte an Wilson dessen einzigartige Ästhetik und die Fähigkeit, große, theatrale Räume zu schaffen, während Wilson Müllers Texte und sein dramatisches Denken bewunderte. Die beiden Künstler trafen sich in den 1980er Jahren. Sie arbeiteten an Projekten, die die Grenzen des Theaters überschritten und neu definierten – dies gilt insbesondere für die Inszenierung von Heiner Müllers „Hamletmaschine“.

Hier folgen einige ausgewählte links zu Nachrufen auf den Künstler:
https://tdz.de/artikel/e2211ee2-71a8-46b5-92f8-48b51ba6a352
https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/musik-und-buehne/theater/robert-wilson-ist-tot-star-von-einem-anderen-stern-110617353.html
https://www.zeit.de/kultur/2025-08/robert-wilson-regisseur-theater-tod
https://taz.de/Nachruf-Robert-Wilson/!6104410/</p>
<p><a href="https://www.internationale-heiner-mueller-gesellschaft.de/aktuelles/2025-08-01/zum-tod-von-robert-wilson">&gt; Auf Homepage lesen</a></p>
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<pubDate>Fri, 01 Aug 2025 08:00:00 +02:00</pubDate>
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<title>Aktuell: Der Mensch im Krieg, damals wie heute. Der Horatier als Schulstück</title>
<author>kontakt@ihmg.de (IHMG)</author>
<link>https://www.internationale-heiner-mueller-gesellschaft.de/aktuelles/2025-07-07/der-mensch-im-krieg-damals-wie-heute-der-horatier-als-schulstueck</link>
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<description><![CDATA[<p>Der Treppenaufgang zur Aula des Rosa-Luxemburg-Gymnasiums in Berlin-Pankow ist rappelvoll; ein aufgeregtes Summen oder Surren liegt in der Luft. Mehr als 200 Gäste sind gekommen, um sich die Inszenierung des Grundkurses Darstellendes Spiel der Klasse 11 anzusehen. Freunde, Eltern, aber auch externes Publikum und sogar Müller-Interessierte.
	Gespielt wird Der Horatier (1968) von Heiner Müller. Kein leicht zu inszenierendes Stück, auch ein wenig gespieltes, eines, bei dem Müller seine Maxime besonders umsetzte: „Ich glaube grundsätzlich, daß Literatur dazu da ist, dem Theater Widerstand zu leisten. Nur wenn ein Text nicht zu machen ist, so wie das Theater beschaffen ist, ist er für das Theater produktiv, oder interessant.“ (W10, S. 57) Nach einem Jahrzehnt der sogenannten Produktionsstücke (und Agrarstücke) war dieser Theatertext der erste, bei dem es weder Akte oder Szenen noch individuelle Charaktere/Darsteller und keine vorangestellte Liste der auftretenden Personen gibt. Die Geschichte wird im Blocktext monologisch von einem Erzähler berichtet, der nur gelegentlich Dialogfetzen einstreut, die zwar handelnden Figuren, aber keinen konkreten Darstellern zugewiesen sind. So hat der Text eher epischen  (1) als dramatischen Charakter, da er nicht dialogisch arbeitet.
Wie nun gehen nun die Schüler:innen mit dieser Herausforderung um? Recht Brechtisch, chorisch, kollektiv, wie Müller es im Kommentar zum Stück angedeutet hat (2) : Die 18 Schülerinnen und Schüler, alle einheitlich in schlichten schwarzen Hosen und Shirts gekleidet, bleich geschminkt mit roten Lippen, sprechen den Text im Chor, alle oder in vier Untergruppen; nur gelegentlich übernimmt jemand eine Passage allein. Eine Gruppe agiert eher im Vordergrund und erzählt das Narrativ weiter, während die anderen den Hintergrund gestalten, sodass alle immer präsent sind. Dies entspricht der allgemeinen Demokratisierung von Redeanteilen im zeitgenössischen Schultheater genauso wie Müllers Vorgabe. 

 
So erzählen sie die Fabel, die vordergründig eine Rechtsfrage stellt: Die Städte Rom und Alba (Longa), stehen vor einem Kampf gegeneinander, doch da sie beide noch einen größeren gemeinsamen Feind, die Etrusker, erwarten, kommen sie zu der pragmatischen Lösung, nicht ihre Heere aufzureiben, sondern es durch je einen Stellvertreter ausfechten zu lassen. Der Römer aus der Familie der Horatier siegt und tötet seinen albanischen Gegner, den Kuriatier, obwohl dieser mit seiner Schwester verlobt ist.(3)  Der Horatier wird vom römischen Volk jubelnd empfangen, seine Schwester jedoch weint bitterlich. Erzürnt über diese Illoyalität zum siegreichen Rom, tötet ihr Bruder sie – wie der Text mehrfach betont – „ohne Notwendigkeit“. Die Frage ist nun, ob Horatius als Held Roms geehrt oder als Mörder hingerichtet werden soll. Zur Klärung berufen die Liktoren eine Volksversammlung ein, bei der – wieder durch zwei Vertreter – alle Argumente gewogen werden, und das Urteil lautet: beides, hintereinander. Dann stellt sich die analoge Frage nochmals angesichts des Umgangs mit dem Leichnam: sich vor dem Toten verneigen oder ihn den Hunden zum Fraß vorwerfen (wieder: beides), und schließlich ein drittes Mal in Bezug auf die Erinnerung der Nachwelt (ergo: Geschichtsschreibung): Soll er „Sieger über Alba“ genannt werden oder „Mörder seiner Schwester“, und das Volk entscheidet einstimmig: beides, „[m]it einem Atem sein Verdienst und seine Schuld“, nicht nur das eine oder das andere und schon gar nicht opportunistisch mal so, mal so, denn – und dies kann wohl als Credo des Geschichtsdramatikers und Zeitchronisten Müller betrachtet werden:
Nämlich die Worte müssen rein bleiben. Denn
Ein Schwert kann zerbrochen werden und ein Mann
Kann auch zerbrochen werden, aber die Worte
Fallen in das Getriebe der Welt uneinholbar
Kenntlich machend und die Dinge oder unkenntlich. (W4, S. 84)
Natürlich haben die Schülerinnen und Schüler nach dem ersten „Schock“ dieses besonderen Textes schnell verstanden, welche Brisanz und Relevanz diese Fragen für heutige Kriege und Erinnerungsdiskurse haben, denn Geschichtsdeutung kann Macht zementieren oder auch als Rechtfertigung von Angriffen dienen. Die eine fand Zugang zum Text über die Sprache, die andere vergrub sich in die antike Überlieferung des Livius, wieder andere lasen den Text zunächst „nur“ als eine Art „True-Crime-Story“. Weitere erarbeiteten sich den Text über das Spiel. Die Herausforderung bei einem solchen Text, mit seinem Abstraktionsgrad, seinem epischen Angang, seinen Redundanzen und dem hämmernden Versrhythmus, besteht darin, der Wortlastigkeit eine Körperlichkeit entgegenzusetzen. Dies haben die Schüler:innen gestalterisch hervorragend gelöst, indem alle mit je einem großen Stab (als einziges multifunktionales Requisit) die Vorgänge symbolisch-gestisch in synchronen Gruppenkonstellationen anspielten: mal als Speere, mal überkreuzt als Schilde, dann als Schwert im Kampf und Tötungsvorgang, aber auch geformt zu einer Rahmung, genutzt als Stütze oder als Repräsentationsinstrument bei feierlicher Ehrung oder Verdammung. Der Stab steht auch für das Wort, um das es ja auch letztlich geht; darum beginnt und endet die Vorstellung mit den vielen Stäben in einem Eimer, die dazwischen auf die Spieler:innen verteilt sind. Dazu der Song „There Is an End“ von The Greenhorns („Words disappear...“).
	Dies trägt der Tatsache Rechnung, dass das Stück, nach den anfänglichen Kampfszenen, im Prinzip eine öffentliche Gerichtsverhandlung ausagiert, was eine gewisse Stilisierung und Ritualisierung erfordert, die der antiken Vorlage entspricht. Denn die Liktoren, die im Alten Rom hohen Staatsbeamten, Magistraten oder auch Vestalinnen vorausgingen, waren mehr als nur Richter und Henker, sondern hatten ebenfalls sakrale Funktionen, die teils von den Etruskern übernommen wurden(4) . Sie trugen das Beil zur Hinrichtung in einem Bündel aus Birken- oder Ulmenruten, genannt „fasces“, die durch Bänder zusammengebunden wurden (das lateinische „lictores“ leitete sich wohl von „ligare“ = „binden“ her) und im positiven Fall mit Lorbeer geschmückt, im negativen Fall zum kathartischen Geißeln/Auspeitschen genutzt wurden. Solchen zeremoniellen Aspekten nähert sich die Gestaltung der Schülerinnen und Schüler an, wenn das Ensemble in langsamen, synchronen Gruppenbewegungen symbolisch Strafe oder Ehrung simuliert und im schneller werdenden Rhythmus den Stab auf den Boden schlägt. Insgesamt wird mitunter sparsam Musik zur Untermalung der szenischen Wechsel zwischen den 14 Textabschnitten eingesetzt, etwa The Unknown Soldier von den The Doors oder danach ausschließlich Stücke aus dem Soundtrack von Tarantinos Filmen, wie z.B. Kill Bill, Pulp Fiction, Django Unchained. Tracks, die zu SloMo-Impressionen passen und eine popkulturelle Referenz zum alltäglichen medialen „Konsum“ von MartialArtMovies, Fighting-Games und -Videos usw. darstellen sollen. Alle Ensemblemitglieder sind stets auf der Bühne und sortieren sich regelmäßig zu neuen Gruppenformationen.
 
Unterstützt wird dieser Ansatz durch die leere Bühne, die nur in der Rückwand ein stilisiertes Tor aufweist. Die Bühnenentwürfe des Grundkurses Kunst, die im Vorraum ausgestellt waren, wurden auf ein Minimum reduziert, somit auch der Bezug zur Antike. Denn Müller ging es, angesichts des Einmarsches der Warschauer-Pakt-Truppen in das aufständische Prag 1968, um die beiden Totalitarismen des 20. Jahrhunderts, Sozialismus und Nationalsozialismus. Deshalb hat er mit der Erwähnung der Rutenbündel gewiss bewusst einen diskreten Hinweis versteckt: Denn aus dem italienischen Wort für „Bündel“ oder „Bund“, „fascio“, leitete ein gewisser Benito Mussolini den Namen seiner Bewegung, „Faschismus“, her, was das Bündeln aller Volkskräfte bedeuten sollte. Daher enthält das Stück die Warnung, dass die Negation der Humanität, z.B. des Schmerzes des Einzelnen, unter die Staatsräson, wie es der Horatier zu Unrecht von seiner Schwester verlangt, oder anders gesagt: die Unterordnung des Individuums unter das Kollektiv, zum Totalitarismus führt. Insofern dürfen die synchronen Bewegungen und die chorische Kraft des Ensembles durchaus Unbehagen auslösen.
	Somit ist Der Horatier ein Lehrstück im Sinne Brechts, wie es dieser selbst und später Reiner Steinweg(5)  ausbuchstabiert haben: Ein (soziales) Kollektiv aus Individuen soll durch das Spielen einen kritischen Erkenntnisprozess durchlaufen. Aus der Durchführung bestimmter Handlungsweisen, Einnahme von Haltungen, Wiedergabe von Reden usw. soll gesellschaftliches Bewusstsein erwachsen; es können körperliche und emotionale Erfahrungen gemacht werden. Die formale Strenge soll dem nicht im Weg stehen, sondern die ästhetische Intensität noch verstärken, die dann in Reflexion übergehen kann.
Zugleich spürt man als Zuschauer in dieser Schul-Aufführung im Rosa-Luxemburg-Gymnasium das, was im professionellen Theater durchaus manchmal verloren gehen kann, die reine Spielfreude im Schiller’schen Sinne, die Begeisterung von Schülerinnen und Schülern, an etwas mitzuwirken, das größer ist als der Einzelne und doch jeden ganz individuell anspricht (oder auch nicht). Deshalb war Brechts Die Horatier und die Kuriatier ausdrücklich als Schulstück konzipiert, was beim damaligen Bildungssystem hieß: für Kinder. Dem folgte Müller mit seiner Behauptung, dass sein Horatier „eigentlich von Erwachsenen nicht gespielt werden kann. Es ist eigentlich ein Kinderstück, Kinder spielen Politik.“(6)  Damit tut Müller allerdings nicht nur seinem eigenen Text Unrecht, der ein deutlich höheres Reflexionsniveau hat, als hier anklingt, sondern auch den 16-17-jährigen jungen Erwachsenen, die sich diesem Niveau offenbar gestellt und Verschiedenes mitgenommen haben.
Schließlich ist das Lehrstück eigentlich zum Lernen für die Spieler und Spielerinnen gedacht, nicht zur Belehrung des Publikums. Ein solches ist letztlich verzichtbar. Aber schaden kann es natürlich nicht, wenn über 200 begeisterte Zuschauer zu Recht Applaus spenden.
Janine Ludwig


22. und 23. 05. 2025: Der Horatier 
Grundkurs Darstellendes Spiel Klasse 11
Rosa-Luxemburg-Gymnasium, Kissingenstr. 12, 13178 Berlin
Spielleitung und Kontakt: Monika Weng, Studienrätin für Philosophie/Theater, Darstellendes Spiel

&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;
(1)  Müller war natürlich inspiriert von Bertolt Brechts Lehrstück Die Horatier und die Kuriatier (Erstdruck 1936, UA 1958), übernahm jedoch nicht dessen Ergänzungen und Erweiterungen zur historischen Quelle von Titus Livius: Ab urbe condita (libri), auf Deutsch „Seit der Gründung der Stadt“ bzw. „Römische Geschichte“, Buch I, Kapitel 22-26. Im Gegensatz zu Brecht fokussiert Müller diese Geschichte, die im 7. Jh. v.u.Z. spielt, weniger auf den Kampf selbst (den er auch von sechs Personen bzw. 2x3 Gegnern auf zwei Gegner reduziert) als auf die Ereignisse im Nachgang (Kapitel 26), die Tötung der Schwester und die anschließende Versammlung.
(2)  „Wer seinen Text gesprochen und sein Spiel gespielt hat, geht in seine Ausgangsposition zurück bzw. wechselt die Rolle.“ (W4, S. 86)
(3)  Beide waren nach ihrer Auslosung gefragt worden, ob sie aus diesem Grund lieber einen erneuten Loswurf wünschten und hatten verneint.
(4)  Vgl. Gladigow, Burkhard: Die sakralen Funktionen der Liktoren. Zum Problem von institutioneller Macht und sakraler Präsentation. URL: https://www.google.com/url?sa=t&amp;source=web&amp;rct=j&amp;opi=89978449&amp;url=https://tobias-lib.ub.uni-tuebingen.de/xmlui/bitstream/handle/10900/123004/Gladigow_025.pdf%3Fsequence%3D1%26isAllowed%3Dy&amp;ved=2ahUKEwiu74X2gvuNAxXVQvEDHbTeKNsQFnoECBcQAQ&amp;usg=AOvVaw3FyCCzvKXDn17gp8vGjEY9. 
(5)  Vgl. Steinweg, Reiner: Das Lehrstück. Brechts Theorie einer politisch-ästhetischen Erziehung. Stuttgart: Metzler, 1972.
(6)  Müller, Heiner; Schall Johanna: Gespräch mit den Schauspielstudenten über Der Horatier. In: Akademie der Künste der DDR (Hg.): Der Lohndrücker. Dokumentation 1988, Band 2, S. 97.</p>
<p><a href="https://www.internationale-heiner-mueller-gesellschaft.de/aktuelles/2025-07-07/der-mensch-im-krieg-damals-wie-heute-der-horatier-als-schulstueck">&gt; Auf Homepage lesen</a></p>
]]></description>
<pubDate>Mon, 07 Jul 2025 08:00:00 +02:00</pubDate>
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<title>Aktuell: Müllermeeting #7</title>
<author>kontakt@ihmg.de (IHMG)</author>
<link>https://www.internationale-heiner-mueller-gesellschaft.de/aktuelles/2025-04-01/muellermeeting-7</link>
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<description><![CDATA[<p>7. April, 19 Uhr (online)
Müller auf dem Bau
Janine Ludwig

In den 1950er Jahren galten Inge und Heiner Müller als Experten für die Arbeitswelt, speziell für Baustellen. Und das nicht nur wegen der oft zitierten zweiwöchigen Recherche der beiden in der Schwarzen Pumpe 1957. Vielmehr finden sich im Archiv etliche Unterlagen, Zeitungsartikel, Sitzungsprotokolle, Parteipublikationen und technische Broschüren, mit denen Müller gearbeitet hat. Wir besprechen eine unveröffentlichte Fernsehreportage und ein Konzept für eine wohl nie verfasste Zeitungsreportage für das ND.
Anhand solcher Archivmaterialien und unveröffentlichter Notizen Müllers können wir anschaulich nachvollziehen, wie tief er sich zehn Jahre lang in Fragen des modernen Bauwesens eingearbeitet und welche Problemstellungen er identifiziert hat. Besonders beschäftigten ihn die Industrialisierung des Baus und die Motivation der Arbeiterklasse, die deutlich hinter dem zurückblieb, was die Aufbauanstrengung des Sozialismus erforderte. Schließlich stellt der Ingenieur Hasselbein in dem Stück Der Bau resigniert fest: „Sie haben die herrschende Klasse kennengelernt. Ich spezialisiere mich hier auf den Fragmentbau.“</p>
<p><a href="https://www.internationale-heiner-mueller-gesellschaft.de/aktuelles/2025-04-01/muellermeeting-7">&gt; Auf Homepage lesen</a></p>
]]></description>
<pubDate>Tue, 01 Apr 2025 08:00:00 +02:00</pubDate>
</item>
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<title>Aktuell: Das Heiner-Müller-Jahrbuch 1 ist erschienen</title>
<author>kontakt@ihmg.de (IHMG)</author>
<link>https://www.internationale-heiner-mueller-gesellschaft.de/aktuelles/2024-10-22/das-heiner-mueller-jahrbuch-1-ist-erschienen</link>
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<description><![CDATA[<p>Herausgegeben von Norbert Otto Eke, Janine Ludwig, Florian Vaßen im Auftrag der Internationalen Heiner-Müller-Gesellschaft, 2024, ISBN 978-3-8498-1981-1, 172 Seiten, Abb. Auch als E-Book erhältlich: ISBN 978-3-8498-1982-8.

„Heiner Müllers Natur“, das Schwerpunkt-Thema des ersten Heiner-Müller-Jahrbuchs der IHMG, nimmt einen Diskurs von gesamtgesellschaftlicher Relevanz auf, der weit in die Ästhetik und die Literatur hineinwirkt. Müller verstand sich selbst als „Landvermesser“, nicht als „Prophet“ – und doch hat er schon vor Jahrzehnten die Zerstörung der Natur und ihren aktiven Widerstand gegen den Menschen im Anthropozän thematisiert. Im ersten Teil des Jahrbuchs fächern wissenschaftliche Beiträge diesen Aspekt auch in Bezug zum Ecocriticism auf. Im zweiten Teil werden unveröffentlichte Müller-Fundstücke und (Wieder-)Entdeckungen sowie Miszellen zu bemerkenswerten Müller-Projekten präsentiert.</p>
<p><a href="https://www.internationale-heiner-mueller-gesellschaft.de/aktuelles/2024-10-22/das-heiner-mueller-jahrbuch-1-ist-erschienen">&gt; Auf Homepage lesen</a></p>
]]></description>
<pubDate>Tue, 22 Oct 2024 08:00:00 +02:00</pubDate>
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<title>Aktuell: Nachruf auf Helen Fehervary (1942–2023)</title>
<author>kontakt@ihmg.de (IHMG)</author>
<link>https://www.internationale-heiner-mueller-gesellschaft.de/aktuelles/2023-04-26/nachruf-auf-helen-fehervary-1942-2023</link>
<guid>https://www.internationale-heiner-mueller-gesellschaft.de/aktuelles/2023-04-26/nachruf-auf-helen-fehervary-1942-2023</guid>
<description><![CDATA[<p>In Memoriam Helen Fehervary
We honor the life of Professor Emerita Helen Fehervary, who died April 13th in Albuquerque, New Mexico. We remember her spirited generosity and her devotion to her daughter. We recall the way she was able to &quot;weave in and out of authors, philosophers, and historians, connecting pieces of everything together as if it were one of the Seghers&#039; stories she loved.&quot; We are grateful that she energetically shared her encyclopedic knowledge with us. &quot;Her mind was a keen and beautiful tapestry and she was extraordinary,&quot; wrote a graduate student.
Helen was kind and caring, presenting us with delicious herbs from her garden that she dried and lovingly packed in jam jars at the end of the year. And her strength! A broken hip she suffered whilst in Florence, Italy several years ago didn’t stop her for long. No one in our Department had a greater passion for German literature, and no faculty member was more committed to teaching students about the German literary tradition. No one had more joie de vivre or a greater dedication to their profession.
Born in Hungary, young Helen came to the United States in 1949. Earning degrees from Smith College and Brown University, Helen wrote her doctoral dissertation, Hölderlin and the Left : the search for a dialectic of art and life, under the direction of Jost Hermand at the University of Wisconsin, graduating in 1975.
Professor Fehervary had a long and distinguished career at Ohio State that began with her appointment as an assistant professor in 1974. She was an established Seghers, Brecht, Müller, and Wolf scholar and her research and teaching specializations included twentieth-century German literature, intellectual history, culture; Weimar Republic, exile 1930s and 1940s, Germany East and West 1945-1990; Holocaust-related topics, Central European modernism; comparative literature, women&#039;s literature, German-Jewish literature; narrative prose; literature and art history. She wrote extensively about twentieth-century Jewish German and Central European intellectual history and critical theory, as well as Jewish contributions to Modern German drama, theatre and film.
In 1993, she received the Helen Hooven Santmyer Prize in Women&#039;s Studies for Salvador’s Children: A Song for Survival, written under the pen name of Lea Marenn. The prize, established by the Ohio State University Press, is awarded annually for the “best book-length manuscript on the contributions of women, their lives and experiences, and their role in society.” Other major awards were presented to her by the Alexander von Humboldt Stiftung, National Endowment for the Humanities, American Association of University Women, Deutscher Akademischer Austauschdienst, International Research and Exchanges Board, Ohio Humanities Council, and the Ohio Arts Council.
Professor Fehervary chaired over thirty MA and PhD Examinations and directed more than a dozen dissertations at Ohio State in a career spanning over four decades. In 2018, Kristy R. Boney and Jennifer Marston William co-edited a Festschrift entitled Dimensions of Storytelling in German Literature and Beyond: For Once, Telling It All from the Beginning, in tribute to Professor Fehervary. Nineteen contributors celebrated her work, particularly on the prose of Anna Seghers, which continues to inspire scholars who examine narration and storytelling.
Graduate students have expressed that Helen inspired them greatly, both in their professional and in their personal lives. They remember her long-lasting valuable mentorship, revolutionary spirit, and that her instincts were always right as they discussed history and dissertation drafts together.
Students will also miss Professor Fehervary’s involvement in bringing drama to the Department. For example, in spring 2010, she organized a GLL theater workshop for undergraduate and graduate students that culminated in a public performance on the 16th of May, directed by Alexander Stillmark of Berlin, of Heiner Müller’s Die Hamletmaschine.
After retiring in the spring of 2015, Helen continued as the General Editor of the Anna Seghers Werkausgabe, 25 volumes (Berlin: Aufbau Verlag, 2000). This past November, the 14th volume was published. Read more about the series at the Aufbau Verlag page: https://www.anna-seghers.de/buecher.php
She also took part in the 2020-21 Emeritus Academy Lecture Series, recording Peter Lorre and Bertolt Brecht: a working relationship and friendship beyond Hollywood.
The world is a poorer place without Helen’s feisty and courageous presence. She is already missed by many colleagues, students, and staff members.
We extend heartfelt condolences to Helen’s daughter María and to friends and relatives in Europe.
Department of Germanic Languages and Literatures - The Ohio State University

Nachruf auf Helen Fehervary
Die amerikanische Germanistin Prof. em. Helen Fehervary, langjähriges Mitglied der Anna-Seghers-Gesellschaft, ist am 13. April in Albuquerque, New Mexico, gestorben. Ihr unerwarteter und plötzlicher Tod hinterlässt eine kaum zu schließende Lücke. Unser Mitgefühl gilt vor allem ihrer Tochter Maria.
Helen Fehervary hat – nicht nur in den USA – viel für Anna Seghers und ihr Werk getan, man kann das kaum ermessen. Den Studierenden vieler Jahrgänge an der Ohio State University hat sie, die gebürtige Ungarin, mit großem Engagement einen grenzüberschreitenden und toleranten Zugang zu Autorinnen und Autoren des antifaschistischen Exils, wie Bertolt Brecht, Anna Seghers und Walter Benjamin, vermittelt.
Wir alle in der Gesellschaft sind ihr zu großem Dank verpflichtet. Wie oft hat sie Vorträge bei unseren Konferenzen gehalten und dabei immer neue und originelle Zugänge zum Werk von Anna Seghers gefunden. Neben der Studie »Anna Seghers: The Mythic Dimension« ist sicher die Herausgabe des Sammel-Bandes »Challenge of History« ihr Vermächtnis.
Verdient gemacht hat sie sich in besonderem Maße durch die Herausgabe einer neuen Werkausgabe von Anna Seghers, die im Aufbau Verlag verlegt wird. Von den geplanten 24 Bänden sind mittlerweile 14 Bände erschienen. Als Bandbearbeiterin hat sie 2002 »Aufstand der Fischer von St. Barbara« auf den Weg gebracht. Den jüngst erschienenen Band »Die Gefährten« hat sie ebenfalls selbst betreut und mit einem klugen und instruktiven Kommentar versehen.
Wir sind alle besonders traurig darüber, dass der Plan eines gemeinsamen Lebens, das sie nach ihrer Emeritierung mit ihrer Tochter Maria in ihrem neuen Haus in Albuquerque (New Mexico) führen wollte, so grausam zerstört wurde.
Wir werden Helen und ihre Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft, Offenheit und Expertise in allen Fragen der Literatur (und besonders in Bezug auf Anna Seghers) sehr vermissen.
Der Vorstand der Anna-Seghers-Gesellschaft, Berlin und Mainz, 16. April 2023

In Memoriam
The American Germanist Prof. em. Helen Fehervary, longtime member of the Anna Seghers Society, died on April 13th in Albuquerque, New Mexico. Her unexpected and sudden death leaves a void that can hardly be filled. Our sympathy goes above all to her daughter Maria.
Helen Fehervary has done a lot for Anna Seghers and her work, not only in the USA. It is hard to measure her impact. Born in Hungary, for many years she mentored students at the Ohio State University, engaging them through her strong commitment to a cross-border and tolerant approach toward authors trapped in anti-fascist exile, such as Bertolt Brecht, Anna Seghers and Walter Benjamin.
All of us in the Society owe her a great debt of gratitude. How often did she give lectures at our conferences, always bringing new and original approaches to the work of Anna Seghers. In addition to her study Anna Seghers: The Mythic Dimension, her edited anthology Challenge of History certainly belongs to her lasting legacy.
Helen deserves special recognition for her efforts in publishing the new critical edition of Anna Seghers’s works, appearing in Aufbau Verlag. Of the planned 24 volumes, 14 have now been published. As one of the editors she initiated In 2002 the volume Aufstand der Fishermen from St. Barbara. The most recently published volume in the edition, Die Gefährten, also appeared under her purview and for which she provided a knowledgeable and instructive commentary.
We are all particularly sad that her plan after retiring for a life together with her daughter Maria in their new home in Albuquerque (New Mexico) was so cruelly upended.
We will very much miss Helen and her kindness, helpfulness, openness and expertise in all literary questions (and especially in relation to Anna Seghers).
The Board of Directors of the Anna Seghers Society, Berlin and Mainz, April 16, 2023</p>
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<pubDate>Wed, 26 Apr 2023 08:00:00 +02:00</pubDate>
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<title>Aktuell: Call for papers: Jahrbuch IHMG</title>
<author>kontakt@ihmg.de (IHMG)</author>
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<description><![CDATA[<p>Jahrbuch der Internationalen Heiner Müller Gesellschaft 1 (2024)
Hg. von Norbert Otto Eke, Janine Ludwig und Florian Vaßen

Die Internationale Heiner Müller Gesellschaft wird ab 2024 im Aisthesis Verlag ein Jahrbuch herausgeben, in dem Forschungsergebnisse, Archivfunde und Materialien sowie kleinere Beiträge wie Rezensionen und Projektbeschreibungen veröffentlichen werden. Für die erste Ausgabe dieses Jahrbuchs mit einem thematischen Schwerpunkt zum Naturdiskurs bei Heiner Müller erbitten wir Beiträge im Umfang von ca. 15 Seiten Länge (5.000 Wörter/30.000 Zeichen).
Das Thema des Jahrbuchs führt weit hinein in ein Feld agonaler Auseinandersetzungen, dessen Aktualität außer Frage steht. Der Mensch zerstört im Anthropozän zunehmend die Natur und damit seine eigene Lebensgrundlage, er führt ‚Krieg‘ gegen die Natur, die sich in Form ökologischer Katastrophen ‚wehrt‘. Dem Theater stellt sich vor diesem Hintergrund die Frage nach neuen Aufgaben, Arbeitsweisen und Zielen, nach veränderten Themen und Konstellationen und einer neuen Ästhetik und Form, wie sie beispielsweise in Frank Raddatz‘ Das Drama des Anthropozäns (Berlin 2021) oder Thomas Oberenders Gaia-Theater (Berlin 2022) Gegenstand sind. Zu nennen wären hier auch die Verbindung von Literatur und Natur im Konzept des Nature Writing, das Modell des Ecocriticism (Gabriele Dürbeck/Urte Stobbe, 2015; Benjamin Bühler 2016) und ökofeministische Ansätze, wie sie Karen J. Warren in ihrem Buch Ecofeminist Philosophy (Lanham, MD 2000) diskutiert hat.
Vor dem Hintergrund dieser und ähnlicher Ansätze richtet sich der Blick des Jahrbuchs auf die einem beständigen Wechsel unterworfenen Konfigurationen und Konstellationen der Natur und ihrer Bedeutung innerhalb von Müllers Dramen- und Theaterarbeit, angefangen bei den Stücken der 1950er und 1960er Jahre, die aus der Kollision körperlich konnotierter Glücksansprüche mit den utopischen Projektionen des Kommunismus/Sozialismus heraus den Blick schärfen für die Rationalität der Ökonomie als Feld der Zurichtung der Körper-Natur, bis hin zu den Inszenierungen von Natur-Revolten als inkommensurablen ‚Reserven‘ der Utopie im Spätwerk. Am einen Pol der Natursemantiken steht die Industrialisierung der Natur und ihre Beherrschung durch den Menschen als Fortschrittsmetapher im Komödienmodell des Herakles 5-Dramoletts, am anderen Pol die aus den existentialontologischen Négritude-Dichtungen Aimé Césaires und Leopold Sedhar Senghors gespeiste Bestimmung der Revolution als elementare Naturgewalt, mit der Müller in Der Auftrag der anthropozentrischen Wesensbestimmung der Geschichte ein irrationales Modell der sich gegen ihre Verdinglichungen, Versklavungen und Verstümmelungen ‚rächenden‘, der ‚zurückschlagenden‘ Natur-Landschaft als Prinzip der Befreiung entgegenstellt.

Das widersprüchliche, fluide und brüchige Feld des hierin sich spiegelnden Denkens in den Bildern der Natur scheint uns bislang noch nicht hinreichend systematisch behandelt worden zu sein. Das angekündigte Jahrbuch sucht von hier aus – möglichst im interdisziplinären Gespräch von Literatur- und Theaterwissenschaft, Geschichtswissenschaft und Philosophie – eine Lücke zu schließen.
Erbeten werden Beiträge zu folgenden Bereichen bei Müller:
-Metaphorisierungen der Körper-Natur (Körper und Natur)
-die Industrialisierung der Natur als Freiheitserfahrung
-Naturbeherrschung/Naturzerstörung
-Semantiken der Wiederkehr (der Natur)
-Nature-Writing (Ecocriticism) als ästhetisch-strukturelle Frage
Themenvorschläge und Exposés (maximal 1 Seite) in deutscher oder englischer Sprache werden bis zum 30. April 2023 erbeten an:
Prof. Dr. Norbert Otto Eke, Universität Paderborn, Fakultät für Kulturwissenschaften, 33095 Paderborn;
Email: norbert.eke@upb.de

Dr. Janine Ludwig, Universität Bremen, Dickinson College, Sportturm C 5200, Bibliothekstr. 1, 28359 Bremen;
Email: ludwig@ihmg.de

Prof. Dr. Florian Vaßen, Leibniz Universität Hannover, Deutsches Seminar, Königsworther Platz 1, 30167 Hannover;
Email: florian.vassen@germanistik.uni-hannover.de
Die Entscheidung über die Annahme erfolgt zeitnah; die Beiträge in deutscher oder englischer Sprache werden erbeten zum 31.10.2023.</p>
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<pubDate>Sat, 22 Apr 2023 08:00:00 +02:00</pubDate>
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<title>Aktuell: Newsletter III/2021</title>
<author>kontakt@ihmg.de (IHMG)</author>
<link>https://www.internationale-heiner-mueller-gesellschaft.de/aktuelles/2021-11-12/newsletter-iii-2021</link>
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<description><![CDATA[<p>Aufführungen und Premieren
Ödipus, Tyrann in Berlin

Die Hamletmaschine in Berlin

Macbeth in Graz

Müllermaschine in Mühlheim an der Ruhr

Anatomie Titus Fall of Rome – Ein Shakespearekommentar in Mönchengladbach Quartett in Tübingen

Die Hamletmaschine in Hof

Macbeth in Linz
Laibach: Wir sind das Volk – ein Musical
Wir sind das Volk – ein Musical in Berlin
Neue Bücher / Beiträge zum Bibliographie-Update
Till Nitschmann/Florian Vaßen (Hg.): Heiner Müllers KüstenLANDSCHSCHAFTEN Hannah Speicher: Das Deutsche Theater nach 1989
Marc Silbermans Nachruf auf Jost Hermand</p>
<p><a href="https://www.internationale-heiner-mueller-gesellschaft.de/aktuelles/2021-11-12/newsletter-iii-2021">&gt; Auf Homepage lesen</a></p>
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<pubDate>Fri, 12 Nov 2021 08:00:00 +01:00</pubDate>
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<title>Aktuell: Newsletter II/2021</title>
<author>kontakt@ihmg.de (IHMG)</author>
<link>https://www.internationale-heiner-mueller-gesellschaft.de/aktuelles/2021-06-02/newsletter-ii-2021</link>
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<description><![CDATA[<p>Aufführungen und Premieren
Anatomie Titus Fall of Rome – Ein Shakespearekommentar in Krefeld (verschoben auf 21/22) Quartett in Krefeld (verschoben)

Macbeth in Graz (verschoben auf 21/22)

Quartett in Hamburg (als Webserie)

Philoktet in Basel

Die Fahne von Kriwoj Rog (nach Heiner Müller) in Eisleben, Sangerhausen, Hettstedt, Gerbstedt Quartett in Tübingen

Macbeth in Linz
Laibach: Wir sind das Volk – ein Musical
Wir sind das Volk – ein Musical in Klagenfurt, Ljubljana und Berlin
Neue Bücher
Benedetta Bronzini: Dare forma al silenzio. Heiner Müller e Pier Paolo Pasolini artisti dell&#039;intervista
 Frank M. Raddatz: Das Drama des Anthropozäns
Call for Papers
BAUSTELLE Brecht/Müller: „Wohnen in der leeren Mitte“</p>
<p><a href="https://www.internationale-heiner-mueller-gesellschaft.de/aktuelles/2021-06-02/newsletter-ii-2021">&gt; Auf Homepage lesen</a></p>
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<pubDate>Wed, 02 Jun 2021 08:00:00 +02:00</pubDate>
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<title>Aktuell: Newsletter I/2021</title>
<author>kontakt@ihmg.de (IHMG)</author>
<link>https://www.internationale-heiner-mueller-gesellschaft.de/aktuelles/2021-01-29/newsletter-i-2021</link>
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<description><![CDATA[<p>Aufführungen und Premieren
Quartett in Berlin

Anatomie Titus Fall of Rome – Ein Shakespearekommentar in Krefeld (verschoben auf 21/22

Quartett in Krefeld

Macbeth in Graz (verschoben auf 21/22)

Medeamaterial in Augsburg (online)
Laibach-Musical
Drehbuch-Skizzen
Neue Bücher / Ringvorlesung
Till Nitschmann/Florian Vaßen (Hg.): Heiner Müllers KüstenLANDSCHSCHAFTEN
Hannah Speicher: Das deutsche Theater nach 1989
Wolfram Ette/Falk Strehlow (Hg.): Klassengesellschaft reloaded und das Ende der menschlichen Gattung
Frank M. Raddatz (Hg.): Heiner Müller. Der amerikanische Leviathan bei Suhrkamp
Müller-Sammlung in Frankenberg
Müller-Gedenktafel in Kreuzberg, Straßenwidmung in Lichtenberg
Zum Tod von Jürgen Holtz und Michael Gwisdek</p>
<p><a href="https://www.internationale-heiner-mueller-gesellschaft.de/aktuelles/2021-01-29/newsletter-i-2021">&gt; Auf Homepage lesen</a></p>
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<pubDate>Fri, 29 Jan 2021 08:00:00 +01:00</pubDate>
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<title>Aktuell: Heiner Müllers Text-Landschaften, Grenzen – Tod – Störung</title>
<author>kontakt@ihmg.de (IHMG)</author>
<link>https://www.internationale-heiner-mueller-gesellschaft.de/aktuelles/2020-12-14/heiner-muellers-text-landschaften-grenzen-tod-stoerung</link>
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<description><![CDATA[<p>Digitale Ringvorlesung
„Ich stand an der Küste und redete mit der Brandung BLABLA, im Rücken die Ruinen von Europa.“ In den Texten des ‚Landvermessers‘ Heiner Müller spielen Landschaft und Küste, Reise und Ankunft, Grenzen und Selektion, Krieg und Zerstörung sowie ästhetische Unterbrechung und Störung eine zentrale Rolle. Die Konstellation des Fremden und Anderen bricht in das Eigene und Vertraute ein und macht das Fremde im Eigenen erfahrbar. Migration und Klimawandel verändern die Landschaften, an den Küsten, den Grenzen und Orten der Selektion, treten ihre Auswirkungen zuerst in Erscheinung. Der Mensch führt Krieg gegen die Landschaft, und die Landschaft führt Krieg gegen den Menschen. Heiner Müllers Text-Landschaften als ‚synthetische Fragmente‘ und als ‚Erinnerung an die Zukunft‘ stehen für eine ‚Ästhetik der Störung‘, sie unterbrechen die Kontinuität des Bekannten und Alltäglichen. Literatur und Theater dienen ihm dabei als „Sprengsatz“, der das „Kontinuum“ unterbricht.
Unter dem Titel „Heiner Müllers Text-Landschaften. Grenzen – Tod – Störung“ veranstaltet die Internationale Heiner Müller Gesellschaft im ersten Halbjahr 2021 über Zoom eine digitale Ringvorlesung zu Heiner Müller, organisiert von Janine Ludwig, Till Nitschmann und Florian Vaßen.
An jedem dritten Donnerstag im Monat um 19.00 Uhr werden jüngere Wissenschaftler*innen einen halbstündigen Vortrag halten – mit anschließender Diskussion. Grundlage bilden die Vorträge des Heiner-Müller-Symposiums „KüstenLANDSCHAFTEN. Grenzen und Selektion – Unterbrechung und Störung“ das vom 21.3.–24.3.2019 an der Leibniz Universität Hannover stattfand.
1. Donnerstag, den 21.1.2021
Sophie König: „Aktive Materie, zersetzte Subjekte: Landschaft und Grenze bei Heiner
Müller“
2. Donnerstag, den 18.2.2021
Falk Strehlow: „Grenzgebiet, Minenfeld, Niemandsland – Landnahmen und Grenzziehungen in Heiner Müllers Deutschländern“
3. Donnerstag, den 18.3.2021
Janine Ludwig: „Heiner Müller: ‚Meine Grunderfahrung in den USA war die Landschaft‘“
4. Donnerstag, den 15.4.2021
Till Nitschmann: „Das ‚unentdeckte Land‘. Grenzgänge(r) in Heiner Müllers
Textlandschaften“
5. Donnerstag, den 20.5.2021
Marten Weise: „‚Dialog mit den Toten‘ oder Zu den Grundlagen einer Negativen Dialogik
in Heiner Müllers Philoktet“
6. Donnerstag, den 17.6.2021
Florian Thamer/Tina Turnheim: „‚Nekrophilie ist Liebe zur Zukunft‘“
Zoom-Meeting
Die digitale Ringvorlesung findet im ersten Halbjahr 2021 jeden dritten Donnerstag im Monat um 19.00 Uhr über Zoom statt.
Den Link zum Zoom-Meeting finden Sie hier.
Die gesamten Vorträge, Präsentationen und Gespräche des Symposiums erscheinen 2021 unter dem Titel „Heiner Müllers KüstenLANDSCHAFTEN. Grenzen – Tod –Störung“ im Verlag transcript.</p>
<p><a href="https://www.internationale-heiner-mueller-gesellschaft.de/aktuelles/2020-12-14/heiner-muellers-text-landschaften-grenzen-tod-stoerung">&gt; Auf Homepage lesen</a></p>
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<pubDate>Mon, 14 Dec 2020 08:00:00 +01:00</pubDate>
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