Heiner Goebbels

Komponist, Regisseur

Heiner Goebbels, geboren 1952 in Neustadt/Weinstraße, aufgewachsen in Landau/Pfalz, lebt seit 1972 in Frankfurt/Main

Studium der Soziologie (Diplom) und Musik (Staatsexamen), ist Komponist, Regisseur, Theatermacher und Professor am Institut für Angewandte Theaterwissenschaft der Justus Liebig Universität Gießen (Schwerpunkt künstlerische Praxis), das er von 2003 bis 2011 auch als geschäftsführender Direktor geleitet hat. Präsident der Hessischen Theaterakademie (seit 2006).

Nach Kompositionen für Theater, Film, Ballett (Ende der 70er Jahre) wandte er sich seit Mitte der 80er Jahre szenischen Konzerten und komponierten Hörstücken zu (meist nach Texten von Heiner Müller), die vielfach preisgekrönt wurden: „Verkommenes Ufer“, „Die Befreiung des Prometheus“, „Wolokolamsker Chausee I – V“, „Shadow / Landscape with Argonauts“, „Der Horatier“ u.a.

Seit Mitte der 70er Jahre veröffentlichte er Plattenaufnahmen mit verschiedenen experimentellen Formationen (Duo Goebbels/Harth, Cassiber, Sogenanntes Linksradikales Blasorchester u.a.). Seit Beginn der 90er Jahre Kompositionen und Regie eigener Musiktheaterstücke, sowie zahlreiche Kompositionen für Ensemble und großes Orchester, die weltweit auf Theater- und Musik-Festivals aufgeführt werden. "Surrogate Cities" für großes Orchester wurde 1994 uraufgeführt, seine wichtigsten Musiktheaterarbeiten sind "Ou bien le débarquement désastreux" (1993) nach Texten von Conrad, Ponge, Heiner Müller, "Die Wiederholung" nach Texten von Kierkegaard (1995); "Schwarz auf Weiss" (1996) und "Eislermaterial" (1998) mit dem Ensemble Modern, "Max Black" (1998) nach Texten von Paul Valery, "Hashirigaki" (2000) nach Texten von Gertrude Stein, "Eraritjaritjaka" (2004) nach Texten von Elias Canetti, "Stifters Dinge" (2007), "Songs of wars I have seen" (2007) und "When the Mountain changed its clothing "(2012). 2002 wurde seine Oper "Landschaft mit entfernten Verwandten" in Genf uraufgeführt, 2003 die Orchesterkomposition "Aus einem Tagebuch" als Auftragswerk der Berliner Philharmoniker (Ltg. Sir Simon Rattle). 2003/2004 war er Composer in Residence beim Lucerne Festival und bei den Bochumer Symphonikern. 2007/2008 Fellow am Wissenschaftskolleg Berlin.

Von 2012 bis 2014 war Heiner Goebbels künstlerischer Leiter der Ruhrtriennale - International Festival of the Arts, und kuratierte und produzierte neue Arbeiten von Robert Wilson, Romeo Castellucci, Michal Rovner, Boris Charmatz, Robert Lepage, Jan Lauwers, Ryoji Ikeda, Douglas Gordon, William Forsythe, Lemi Ponifasio, Mathilde Monnier, Saburo Teshigawara, Anne Teresa de Keersmaker, Rimini Protokoll, Tim Etchells, Gregor Schneider und vielen anderen. Er selbst inszenierte drei große Musiktheaterwerke des 20. Jahrhunderts, die bislang vom Repertoire der Opernhäuser weltweit ignoriert worden waren: "Europeras 1&2" von John Cage (2012), "Delusion of the Fury" von Harry Partch (2013) und "De Materie" von Louis Andriessen (2014). Installationen und Performances: Centre Pompidou Paris 2000, Musée d'Art Contemporain Lyon 2014, Museum Mathildenhöhe Darmstadt 2012, Documenta 82/87/97, Artangel London 2012, Albertinum/Lipsiusbau Dresden 2016 u.a. Zahlreiche Vorträge, Aufsätze und Veröffentlichungen (Anthologie "Komposition als Inszenierung" 2002, "Ästhetik der Abwesenheit" 2012). Seine Anthologien mit seinen Texten zu Musik und Theater sind auch in englischer, russischer und polnischer Sprache erschienen. Er veröffentlichte zahlreiche CDs und wurde mit zwei dieser Produktionen für einen Grammy nominiert.

Heiner Goebbels ist Mitglied der Akademie der darstellenden Künste, Frankfurt/Bensheim, sowie den Akademien der Künste, Berlin, Düsseldorf, Mainz und München; Honorable Fellow am Dartington College of Arts, Träger des Hessischen Kulturpreises und der Goethe Plakette der Stadt Frankfurt. 2001 wurde er mit dem Europäischen Theaterpreis „Neue Theaterrealitäten“ ausgezeichnet; 2012 mit einem Ehrendoktor der Birmingham University und mit dem International Ibsen Award, einem der weltweit wichtigsten Theaterpreise.

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© New York Post[1] Christopher Martin[2]

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