Müllersalon

Ab Januar 2017 startet die IHMG die neue Veranstaltungsreihe „Müllersalon“ im Deutschen Theater Berlin, Nachfolger des „Müllermontags“ im Literaturforum im Brecht-Haus. Alle zwei Monate wollen wir mit Heiner Müller und über ihn in Dialog treten, näher an der künstlerischen Praxis als uns das bislang möglich war.

„Was jetzt passiert, ist die totale Besetzung mit Gegenwart“, konstatierte Heiner Müller 1990 im Gespräch mit dem nigerianischen Schriftsteller Wole Soyinka. „Die Auslöschung von Vergangenheit, von Erinnerung. Die Auslöschung der Erwartung, von Zukunft. Das ganze ökonomische Potential geht auf Besetzung mit Gegenwart. – Und an der Stelle wird das Theater, wird die Kunst wieder wichtig.“

Was damals ein bisschen nach Phantomschmerz klang, angesichts des endgültig verbrieften Utopieverlusts, droht sich mittlerweile als kollektiver Gedächtnisschwund zu verstetigen. Dagegen hilft das Reden über Kunst und Theater. Glauben wir.

Als Heiner Müller 1987 im Deutschen Theater seine erste eigene Regiearbeit durchsetzte, interessierte sich niemand mehr für sein altes Produktionsstück „Der Lohndrücker“ von 1956. Nicht einmal die Partei. „Der Text ist die Stelle, an der das Theater zu graben beginnt“, verteidigte der Archäologe seine Unternehmung. Für den „Müllersalon“ ist Heiner Müller diese Stelle. Denn die große Symbolfigur des gesellschaftlichen Wandels ist bekanntlich weder Löwe noch Adler, sondern der Maulwurf.

© Heidi Paris/Merve Verlag[1][2][4] Margit Broich[3]