Müllermeeting #8 - Brigade – DEFA – LPG. Müllers verschollenes Drehbuch

Montag, 1. Juni 2026
19 Uhr, online

Im Bundesarchiv hat Janine Ludwig das vollständige, jedoch unveröffentlichte und nie umgesetzte Szenarium gefunden, mit zwei Vorstufen, einer Materialsammlung und einem Exposé, nebst vielfältiger Korrespondenz mit der DEFA über das Projekt, das sich von 1958 bis 1960 erstreckte. Das an sich ist bereits eine kleine Sensation.

Hinzu kommt, dass der Ausgangspunkt für Müller eine Parteibroschüre war, die sich mit Anstreichungen in seinem Nachlass findet. In dieser Broschüre gibt es auch eine Geschichte einer Arbeiterschriftstellerin, die beschreibt, wie eine aus Funktionären des ZK der SED zusammengestellte ‚Brigade‘ das Dorf Riesigk besucht (der Vorgang hat tatsächlich stattgefunden) und auf Vordermann bringt sowie Bauern zum Eintritt in die LPG anhält. Diese Geschichte war die Vorlage für Müller; dazu gibt es mehrere Zeitungsartikel aus den 1950er-Jahren über diese SED-Kampagne.

Das Hauptthema von Müllers Drehbuch ist die Frage, wie man die Bauern zum Eintritt in die LPG bewegt. Weil er es jedoch erst im März 1960 fertigstellte und da bereits die Zwangskollektivierung abgeschlossen wurde, war seine Geschichte überholt und wurde abgelehnt. Man empfahl Müller, aus dem Material eine Komödie zu machen. Das tat dieser, indem er 1961 „Die Umsiedlerin“ fertigschrieb und inszenierte, was den größten Theaterskandal der DDR auslöste.

Janine Ludwig hat über Müllers Projekt bereits einen Aufsatz im „Heiner-Müller-Jahrbuch 2“ (2025) der IHMG veröffentlicht. Derzeit arbeitet sie an einer umfassenden Publikation des Drehbuchs mit all seinen Vorstufen und Materialien, einschließlich handschriftlicher Scans aus dem Heiner-Müller-Archiv der AdK Berlin.

Im Müllermeeting gibt sie einen „Sneak Peak“ in einige dieser Materialien, die meist nicht in dem Aufsatz abgedruckt waren.

© Ute Schendel[1] Margit Broich[2][3] Heidi Paris/Merve Verlag[4]

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