Müllermontag VIII: Heiner Müller in Polen

Mit Barbara Wysocka, Wojtek Klemm und Thomas Irmer

24. Juni 2013, 20 Uhr

Eine Veranstaltung der Internationalen Heiner Müller Gesellschaft in Kooperation mit dem Polnischen Institut Berlin und dem Literaturforum im Brecht-Haus


Traditionell war die Rezeption des Werks von Heiner Müller in Polen marginal. Dissidenz, kommunistische Utopie und postmoderne Ästhetik war in den polnischen Zusammenhängen nicht zusammen zu denken – zumal in der Nachfolge Brechts, dessen Werk es in Polen ebenfalls schwer hatte. Doch seit einigen Jahren entdecken zwei junge Regisseure – Barbara Wysocka und Wojtek Klemm – Müllers Texte für die polnische Bühne. Welche Perspektive hat diese junge Generation auf das Werk Heiner Müllers? Welchen Blick hat sie auf Geschichte, auf den politischen Umbruch nach 1989 und die aktuelle Entwicklung Polens in Europa? – Im Gespräch mit dem Theaterkritiker Thomas Irmer werden Barbara Wysocka und Wojtek Klemm diese Fragen beantworten und ihre Theaterarbeit mit Texten von Heiner Müller auf polnischen Bühnen vorstellen.

Barbara Wysocka, geboren 1978, studierte Regie und Schauspiel an der Theaterhochschule Krakau. Seit 2006 ist sie als Schauspielerin Ensemblemitglied am Krakauer Stary Teatr. Seit 2007 arbeitet sie als Regisseurin an Theatern in Krakau, Breslau, Bydgoszcz und Warschau, sowie an der Nationaloper in Warschau. Am 30. September 2010 hatte ihre Inszenierung von Heiner Müllers „Wolokolamsker Chaussee“ im Teatr Polski Wrocław Premiere, mit der sie zum Warschauer Theatertreffen und im Rahmen der „spielzeiteuropa“ von den Berliner Festspielen eingeladen wurde. Im April 2012 inszenierte sie „Medeamaterial“, eine musikalische Bearbeitung des Textes von Heiner Müller durch Pascal Dusapin im Teatr Wielki - Opera Narodowa in Warschau. Für ihre Arbeit als Schauspielerin und Regisseurin wurde sie mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, u.a. erhielt sie den Paszport Polityki-Preis für ihr Regiedebüt im Bereich Oper.
Wojtek Klemm wurde 1972 in Warschau geboren. Nach einem Regie-Studium an der Berliner Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ arbeitete er zunächst als freier Regisseur sowie als Regieassistent bei Frank Castorf, Dimiter Gotscheff und Christoph Schlingensief an der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz. Seit 2005 inszeniert Wojtek Klemm regelmäßig in Polen, in Danzig, Warschau, Krakau und Breslau. Für das Wiener Volkstheater realisierte er die österreichische Erstaufführung von „3 VON 5 MILLIONEN“ von Fritz Kater. Am Tmuna Theater in Tel Aviv hatte im August 2009 seine Inszenierung von Michał Walczaks „Die Reise ins Innere des Zimmers“ Premiere. Das Teatr Norwida im niederschlesischen Jelenia Góra wurde unter Klemms zweijähriger künstlerischer Leitung (2007–2009) von der polnischen Tageszeitung „Dziennik“ für die Spielzeit 2007/08 zum Theaterort des Jahres und von der Wochenzeitung „Wprost“ Anfang 2009 unter die zehn interessantesten Theater Polens gewählt. Am 4. April 2009 brachte er in Wroclaw Heiner Müllers "Zement" zur polnischen Erstaufführung, am 16. Juni 2012 hatte sein „Anatomie Titus Fall of Rome“ im Teatr Stary Krakow Premiere, ebenfalls als polnische Erstaufführung.

Thomas Irmer, geboren 1962 in Potsdam, schloss 1988 sein Studium der Germanistik und Anglistik an der Universität Leipzig ab. Nach Erhalt des Fulbright Stipendiums an der SUNY Buffalo in New York promovierte Irmer 1994 an der Uni Leipzig. Seit Beendigung seiner redaktionellen Verantwortung von "Theater der Zeit" in Berlin, ist er Kritiker bei „Theater heute“. Seit 1988 verfasst er Beiträge über Literatur, Kunst und Theater für eine Vielzahl von internationalen Fachzeitschriften. Seit 1996 ist er mit verschiedenen Magazin-Beiträgen filmisch für den mdr, ntv und 3sat tätig.

Veranstaltung im
Literaturforum im Brecht-Haus
Chausseestraße 125
10115 Berlin
Tel.: 030 2822003

© v.d. Ropp[1] Ute Schendel[2]

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